Articles in Category: Aktuelles

Geschichts-Workshop und Exkursion: „Jugend unter Hitler“

In den Osterferien hat der Humanistische Freidenkerbund Havelland e.V. in Falkensee für interessierte junge Leute einen zweitägigen Geschichtsworkshop zum Thema „Jugend unter Hitler“ erfolgreich durchgeführt. 

Fragen der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts insbesondere vor und während des 2. Weltkrieges wurden in offener Weise am ersten Tag diskutiert. Mit verschiedenen Materialien und Filmen konnte das historische Wissen vertieft werden. Im Vordergrund standen der besondere Platz der Jugend in der Hitler-Diktatur, die psychologische Beeinflussung junger Menschen zwischen 1933 und 1945, die Geschichte des deutschen Faschismus und seiner Verbrechen sowie aktuelle Tendenzen des Nationalsozialismus. Herausgearbeitet werden konnten Vorurteile, Fake-Informationen und menschenverachtende Herangehensweisen, aber auch rassistische und fremdenfeindliche Grundtendenzen in Vergangenheit und Gegenwart.

Die Exkursion am zweiten Tag führte nach Berlin-Mitte zu wichtigen Erinnerungsstätten und geschichtsträchtigen Orten. Mit eigener Führung wurden die Ausstellung „Topographie des Terrors“ und die Ausstellung zum Holocaust-Mahnmal besucht. Am Mahnmal wurde der fast 6 Millionen ermordeten europäischen Juden gedacht.

Dr. Volker Mueller


Dienstag, 25 April 2017

Jugendfeier 2017 in Rathenow

Die Humanistischen Jugendfeiern 2017 finden am 29. April, um 11.30 und 13.30 Uhr, und am 6. Mai, um 09.30 Uhr, 11.30 Uhr und 13.30 Uhr, im Kulturzentrum Rathenow statt. 245 Jugendliche nehmen mit ihren Familien und Gästen an den 5 Feierstunden in Rathenow zum würdigen Abschied von der Kindheit und der Begleitung in einen neuen Lebensabschnitt teil.

Diese vom Humanistischen Freidenkerbund Havelland e. V. durchgeführten Feierstunden werden durch ein angemessenes und jugendgemäßes Programm gestaltet. Als Festrednerinnen bzw. Festredner werden auftreten: Frau Ulrike Lierse, Frau Diana Golze (Sozialministerin des Landes Brandenburg) und Herr Dr. Volker Mueller.

Dr. V. Mueller

Vorsitzender


Mittwoch, 19 April 2017

Mitgliederversammlung des Humanistischen Freidenkerbundes Havelland

Vorletztes Wochenende tagten die Mitglieder des Humanistischen Freidenkerbundes Havelland e.V. (HFH) und berieten über die bisher geleistete Arbeit und die künftigen Aufgaben der freien humanistischen Weltanschauungsgemeinschaft im Havelland. Die Bilanz der Jugendarbeit, des sozialen Engagements, der Flüchtlingshilfen, der Bildungsarbeit und der kulturellen Angebote fiel sehr gut aus. 

Schwerpunkte für die weitere gemeinnützige Tätigkeit der Freidenker und Humanisten im Havelland sind: 

- die Sozialarbeit insbesondere für Hilfe- und Ratsuchende und für Bedürftige durch den Betrieb von Suppenküche, Kleiderkammern, sozialen Möbelbörsen und den Tafeln in Nauen und Falkensee 

- interkulturelle und integrative Unterstützungen für geflüchtete Menschen und Asylsuchende

- die Bildungsarbeit für verschiedene Altersgruppen, mehrere Bildungsprojekte für Kinder und Jugendliche und Unterstützung des Lebenskundeunterrichts an fünf Grundschulen im Landkreis

- die Fortführung der vielfältigen sozialpädagogischen Jugendarbeit, der Jugendsozialarbeit (z.B. „Kinder-Oase“ Nauen), der Schulsozialarbeit an fünf Schulen, der internationalen Jugendarbeit und der sechs Jugendklubs und Jugendtreffs des HFH  

- niveauvolle Humanistische Jugendfeiern und andere Kulturangebote wie Namensfeier, Ehefeier bzw. weltliche Trauung und Trauerkultur

- Angebote für sinnvolle Freizeitgestaltungen, Reisen und Geselligkeiten

Den aktiven Mitgliedern und dem Vorstand wurde für die geleistete Arbeit herzlich gedankt.

Die Mitglieder wählten sodann den Vorstand des HFH wieder: 

Dr. Volker Mueller (Falkensee) als Vorsitzenden, Gisela Gerlach (Milower Land), Anke Wohlfeil-Becker (Potsdam), Ilona Hilker (Falkensee), Marie Fredrich (Brieselang) und Julian Busch (Falkensee bzw. Berlin).

Dr. V. Mueller

Vorsitzender


Dienstag, 11 April 2017

Objekt der Tafel und Suppenküche in Nauen wurde gekündigt

Überraschend wurde uns durch den ab 1.4.17 neuen Eigentümer des Objektes Nauen, Ritterstr. 3-4, zum Jahresende 2017 gekündigt. Gestern wurde uns die Kündigung der CMG/ Projektentwicklungs- und Beteiligungsgesellschaft mbH aus Berlin zugestellt. Der Eigentumswechsel wurde uns Ende März mitgeteilt und ohne Zeitverzögerung und ohne weitere Kontaktaufnahme wurde uns die Kündigung ausgesprochen. Wir haben beim neuen Vermieter umgehend Einspruch erhoben, die Kündigung zu überdenken und zurückzunehmen, sehen dafür jedoch wenig Chancen.

Die Nauener Tafel und die Suppenküche werden zum Jahreswechsel vor die Tür gesetzt. Wir sind hier seit Anfang der 90er Jahre für das Gemeinwohl engagiert. Damit verliert die Stadt Nauen einen bedeutsamen sozialen Standort. Wir bedauern diese entstandene Situation sehr, die Verunsicherungen und Betroffenheit auslöst. Wir sehen die Gefährdung des sozialen Friedens in Nauen, da die vielen Bedürftigen aus heutiger Sicht nicht mehr ab 2018 unterstützt werden können.

Wir bemühen uns, Alternativen für die Fortführung der Arbeit der Nauener Tafel und der Suppenküche ab 2018 zu finden. Dafür benötigen wir Unterstützungen.

Bis zum Jahresende 2017 werden wir natürlich wie bisher für die hilfesuchenden und bedürftigen Menschen da sein.

Dr. Volker Mueller

Vorsitzender


Donnerstag, 06 April 2017

Lesecamp 2017

Das dritte Treffen wird ganz im Zeichen der Fotografie stehen. Unser Gast wird Gordon Welters (www.gordonwelters.com) sein. Der Fotograf unterstützt die Kinder beim Aufbereiten ihrer Hörspielgeschichte als Fotostory. Richtig gelesen: Unser Hörspiel ist fertig und auch sonst haben die Teilnehmer*innen bereits eine Menge erlebt. U. a. haben wir ein lustiges Stimmen-Casting organisiert, Radio Teddy in Potsdam besucht und nebenher zwei Bücher gelesen. Die Stimmung untereinander ist großartig, über alle Alterstufen (7- 12 Jahre) hinweg. Erstaunlich ist, dass selbst Kinder, die in der Schule miteinander Probleme haben, sich im LESECAMP toll verstehen. Auch die Hilfsbereitschaft ist groß: Ein Helfer-Team kümmert sich selbstständig um unsere Mahlzeiten und den Abwasch, ein anderes versorgt die hofeigene Hühnerscharr. In Kuhhorst gibt es für die LESECAMPER noch viel zu entdecken - vielleicht schauen wir diesmal in der Mittagspause beim Zicklein tränken vorbei. 
 
Anbei ein paar Eindrücke vom zweiten LESECAMP-Wochenende und unserem Ausflug zu Radio Teddy.







Samstag, 01 April 2017

Mädelsabend im Jugendklub Wustermark

Vor Kurzem nahmen elf Mädchen zwischen 9 und 15 Jahren sowie ehrenamtlich die Grundschullehrerin Charlotte Reschke an einem Mädelsabend mit Übernachtung im Jugendklub Wustermark des HFH e.V. teil. Diese Veranstaltung wurde im Rahmen der Brandenburgischen Frauenwoche 2017 unter dem Motto „Frauen MACHT: faire Chancen“ durchgeführt.
Die Jugendbetreuerin Christina Schaefer erfreute sich über das Engagement der Mädchen, die in der Vorbereitung Vorschläge zum Programm äußerten und einige Aktivitäten sogar in Eigenverantwortung selbst organisierten.
 
Im Laufe des Abends kochten sie zusammen, bastelten Freundschaftsbänder, durchspielten das Werwolfspiel und zeigten Teamwork bei einer Etappenjagd. Als Teamleiterin beim Herstellen von Gesichtsmasken war die 15-jährige Angelique verantwortlich. Des Weiteren durften sich alle Mädchen bei einem Tendenzspiel zu Fragestellungen positionieren und wurden dann von einer „Reporterin“, die ein Stift als Mikrofon hielt, interviewt. So erfuhr die Gruppe, dass jede bereits Streit mit der besten Freundin hatte und alle waren sich einig darüber, dass dies vorkommt und normal ist, solange man darüber spricht. Die Mädchen konnten sich auch selbst einschätzen, welche Stärke oder besondere Fähigkeit sie besitzen. Sie nannten z.B. Zeichnen, Spagat oder Kickboxen. Bei denjenigen, die keine eigene Stärke erkannten, wurden die Freundinnen aufgefordert, sie einzuschätzen, sodass z.B. ein besonderer Humor gelobt wurde. Dieses Feedback von anderen wirkte sichtlich bestärkend auf die Mädchen. Zum Thema „Männer- und Frauenberufe“ gaben die Mädchen preis, dass sie sich neben Tanzlehrerin und Fleischereifachangestelle durchaus auch Berufe wie Polizistin, Feuerwehrfrau oder KFZ-Mechanikerin für sich vorstellen können.
Eingekuschelt in Decken sahen die Mädchen zum Abschluss eines aufregenden Abends einen Film und hofften bis zum Ende, dass noch ein Kuss des Liebespaares gezeigt wird, doch leider kam es nicht dazu.
 
 
Nach dem Frühstück beschäftigten sich die Mädchen mit einem „Bechertanz“, bei dem jede auf dem Tisch auf gleiche Weise mit den Bechern jonglierte, sodass ein Rhythmus entstand. In einer kleinen Feedbackrunde resümierte die 10-jährige Francis, dass das Beste am Mädelsabend sei, dass sie neue Freunde gefunden habe. Das ist aus Sicht der Betreuerin ein voller Erfolg, denn es geht bei solchen Veranstaltungen vor allem darum, mit Gleichaltrigen zu kommunizieren, Gruppenerfahrungen zu sammeln und auch neue Kontakte zu knüpfen.
Die Mädchen genossen es, einmal nur unter sich zu sein, um ungestört und offen über das reden zu können, was sie bewegt.
 
Christina Schaefer
Jugendbetreuerin im Jugendklub Wustermark
Freitag, 24 März 2017

Für die Jugendaustauschreise nach Indien anmelden!

Eine Jugendgruppe aus dem Havelland wird im Rahmen des Jugendaustauschprogrammes des Humanistischen Freidenkerbundes Havelland e.V. (HFH) vom 22. Oktober bis 5. November 2017 nach Indien reisen. Die Reise wird durch das Landesjugendamt mit Mitteln des Bundesjugendplans und durch das Jugendamt Havelland gefördert; der Eigenanteil beträgt 400,00 €. Seit 1996 gibt es einen fruchtbaren und kontinuierlichen Jugendaustausch mit der Partnerorganisation des HFH im indischen Unionsstaat Andhra Pradesh, dem Atheist Centre in Vijayawada. 

Der humanistische Jugendaustausch gibt Jugendlichen aus Deutschland und Indien die Möglichkeit, miteinander in Kontakt zu treten, um ihr Verständnis für eine andere Lebensgestaltung zu fördern und ein tolerantes Miteinander über ihre kulturellen und sozialen Grenzen hinaus zu leben. Die Aufnahme von Kontakten und Freundschaften, das Kennenlernen der Familien und die Einbindung der Jugendlichen in die aktuellen Lebensbedingungen vor Ort, lassen eine starke Verbundenheit entstehen und eine größere Sensibilität bei den jungen Leuten erfahren, welche diese in ihr eigenes Land wieder mitnehmen. Toleranz und Humanität stehen im Vordergrund.

Die diesjährige Jugendbegegnung steht unter dem Thema: Lebenslagen und Perspektiven junger Menschen – Jugendkulturen und Freizeitverhalten junger Menschen. Die deutschen und indischen Jugendlichen lernen dabei das jeweils andere Land und ihre Menschen kennen, vor allem Kultur, Religionen und Weltanschauungen, soziale Lebenssituationen, das Bildungssystem und Lerneinstellungen, das Verhältnis von Mann und Frau, das indische Kastensystem, Probleme der Ernährung und des Gesundheitssystems sowie Armut und Reichtum als krasse Gegensätze. Fakten des Lebens, die sonst nur aus Schule, Fernsehen, Computer oder vom Hörensagen gekannt werden, sind direkt erfahrbar. Die eigene Lebenseinstellung steht auf dem Prüfstand. In vielen humanistischen Interaktionen mit jungen Indern in Schulen und Jugendeinrichtungen, in sozialen Projekten und in abgelegenen Dörfern usw. und in gemeinsamer praktischer Arbeit wird das anfangs Unbekannte und Fremde zu etwas selbst Erlebtem und individuell Erfahrenem, zu einem freundschaftlichen Miteinander. Die teilnehmenden Jugendlichen erfahren ihre Eindrücke meist als "unvergessliche Erlebnisse", welche ihr Leben und ihre Lebensanschauung sehr stark beeinflussen. Ihre Weltsicht, ihr kultureller Horizont und ihre soziale Einstellung ändern sich.

Schwerpunkt werden die von der deutschen Jugendgruppe betreuten mehrtätigen Projekttage in einer Schule sein. Mit vielfältigen Bildungs-, Kultur-, Sport- und Freizeitaktivitäten soll eine gemeinsame Zeit des Kennenlernens und Fröhlichseins für junge Inderinnen und Inder mit uns gestaltet werden. 

Wer von den jungen Leuten zwischen 16 und 25 Jahren aus dem Landkreis Havelland gern an der Jugendaustauschreise nach Südindien teilnehmen möchte, kann sich bewerben unter:

Humanistischer Freidenkerbund Havelland e.V., 4641 Nauen, Karl-Thon-Str. 42.

Dr. Volker Mueller


Sonntag, 12 März 2017

Toleranzfest am 20. April 2017 in Nauen

Das traditionelle Toleranzfest in der Stadt Nauen soll wieder am 20. April 2017 als Familienfest und als politische Kundgebung stattfinden. Etwa 30 Vereine, Organisationen, Kirche, Gewerkschaft, Parteien, Einrichtungen und Schulen werden sich wieder beteiligen. Das Motto wird sein: Für ein friedliches und buntes Nauen. Als Schirmherr wird der Bürgermeister Herr Detlef Fleischmann fungieren.

Anliegen ist es, für eine lebendige, fröhliche und tolerante Stadt Nauen, für Demokratie und Vielfalt und für ein friedliches und freies Miteinander aller in Nauen lebenden Menschen zu demonstrieren. Dabei geht es auch um eine angemessene Erinnerung an die Bombennacht am 20.4.1945 in Nauen und um Positionen  gegen die sog. Mahnwache der NPD-nahen und sog. Freien Kräfte an diesem Tag in Nauen. Mit Lebensfreude und kultureller Vielfalt stellen wir uns gegen Gewalt, Rassismus und Ausländerfeindlichkeit. Nauen ist eine Stadt mit Herz. Wir wenden uns gegen Hass und Gewalt und begrüßen auch Menschen, die zu uns geflüchtet sind.

Es wird vielfältige Angebote für Kinder und Familien geben. Darunter sind verschiedene kulturelle Aktivitäten und ein interkulturelles Suppenfest. Es gibt viele Möglichkeiten, sich miteinander zu unterhalten und zu feiern. Abends gibt es Musik für jung und alt. Wir freuen uns auf eine lebendige, fröhliche, nachdenkenswerte und friedliche Veranstaltung am 20. April! Für ein tolerantes und freies Miteinander!

Zum Ablauf: 14.00 bis 18.30 Uhr: am Anfang politische Kundgebung (auf der Bühne – es werden politische Statements erbeten), Familienfest mit Ständen, Kinderangeboten sowie Bühnenprogramm und interkulturellem Suppenfest. 19.00 bis 21.00 Uhr: politisches Bühnenprogramm mit Musik.

Wer Interesse am Toleranzfest hat, kann sich gern bei uns melden: 

über Humanistischer Freidenkerbund, Karl-Thon-Str. 42, 14641 Nauen. Tel.: 03321-450746. 

Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! .

Wir würden uns freuen, wenn wieder die Nauenerinnen und Nauener und anderen Interessierten am 20. April aktiv mit dabei sind.

Dr. Volker Mueller

Samstag, 11 März 2017

Anmeldungen zur Namensfeier am 10. Juni 2017

Welche Familie aus dem Havelland möchte mit ihrem Kind oder ihren Kindern an einer humanistischen Namensfeier teilnehmen? Es besteht wieder die Möglichkeit, eine würdige Namensgebung in Nauen zu feiern. 

Der Humanistische Freidenkerbund Havelland e.V. führt für Kinder, deren Eltern es wünschen, eine offizielle Feierstunde zum Lebensbeginn des jungen Erdenbürgers durch. Die Namensgebung wird gewürdigt. Die Tochter oder der Sohn werden damit in ihrem Lebenskreis als neuer Teil der Familie festlich begrüßt. Im Beisein von Familienangehörigen, Paten und Freunden werden das Kind und sein Name im Sinne weltlicher Festkultur gefeiert.

Die Feierstunde zur Namensgebung findet am 10. Juni 2017, in Nauen statt.

Falls Sie Fragen haben oder sich für die Namensfeier anmelden möchten, wenden Sie sich bitte an: 

Humanistischer Freidenkerbund Havelland, 

14641 Nauen, Karl-Thon-Straße 42, Tel.:  03321 / 450746.

 

Dr. Volker Mueller

Vorsitzender


Samstag, 11 März 2017

Nachruf für Frau Mythri

Die bekannte Atheistin, Sozialreformerin, Frauenrechtlerin, Gandhi-Anhängerin und Leiterin des Atheist Centre in Vijayawada/ Indien, Frau J. Mythri  ist am 11. Februar 2017 verstorben. Mit ihr verliert die humanistische und säkulare Bewegung eine herausragende Vertreterin, die als Tochter der Gründer des weltweit ersten Atheistischen Zentrums, Gora und Saraswathi Gora, das Atheist Centre seit 2006 geführt und inspiriert hat.

Sie stand für Gleichheit, Humanismus und Zivilcourage, für Menschenrechte, gegen das Kastensystem und Diskriminierungen jeder Art. Sie hat mit ihren Vorträgen und Texten zur 

Verbreitung des liberalen Säkularismus beigetragen und hat mit ihrem großen Herzen die Lebensprobleme der Menschen aufgenommen und sich sozial engagiert. Gerade auch ihre Unterstützung hat den Humanistischen Deutsch-Indischen Jugendaustausch mit dem Humanistischen Freidenkerbund in Brandenburg in den letzten 20 Jahren wesentlich mit befördert.

Frau Mythri hat durch ihren Einsatz für die globale humanistische Bewegung, z.B. auf nationalen und internationalen Tagungen und den Weltatheismuskongressen, ihre freiheitlichen und rationalistischen Positionen liberal vertreten und verbreitet. Frau Mythri setzte sich stets für ein tolerantes und multikulturelles Miteinander in Frieden und Demokratie ein. 

Frau Mythri wurde am 1. Dezember 1932 in Vijayanagaram in Andhra Pradesh/ Indien geboren. Als dritte Tochter von Gora und Saraswathi Gora hat sie frühzeitig den Kampf der Indischen Befreiungsbewegung Mahatma Gandhis aktiv miterlebt und sich gegen das Kastensystem, gegen Aberglauben, religiös motivierte Gewalt und Hexenverfolgungen und für die kulturelle und soziale Befreiung und Selbstbestimmung der Menschen, insbesondere der Frauen und Kinder eingesetzt. Ihr war es wichtig, sich für eine wissenschaftliche Welterklärung einzusetzen und den Geist der Menschenwürde in die Gesellschaft zu bringen.

Frau Mythri erhielt ihre Schulbildung in Machilipatnam. Später zog sie mit ihren Eltern und  Geschwistern nach Mudunur village im Krishna District. 1940 wurde dann dort das Atheist Centre gegründet, der sie mit ihren Geschwistern Manorama, Lavanam, Vidya, Vijayam, Samaram, Niyanta und Nau ihr Leben widmete. 

Als Aktivisten der Quit India Movement wurden Mythris Eltern von den Briten zeitweilig  inhaftiert. Mythri kümmerte sich in dieser Zeit auch um ihre Geschwister. Mahatma Gandhi trat Anfang der 40er Jahre in einen intensiven Austausch mit Gora und seiner Familie und lernte die atheistische Arbeit kennen. Auch Mythri lebte für einige Zeit auf Gandhis Einladung in seinem Sevagram ashram. 

Nach der Unabhängigkeit Indiens im Jahr 1947 siedelte das Atheist Centre nach Vijayawada. Mythri gab das Wochenmagazin “Sangham“ (Society) in Telugu mit heraus. Sie unterwies Frauen in der Handhabung der Drucktechnik. Sie begann, auch in der Erwachsenenbildung für sozial Benachteiligte und in der Bildung und Erziehung der Kinder aktiv zu werden. Sie organisierte interreligiöse und kastenübergreifende Eheschließungen.

1961 startete das Sozialwerk des Atheist Centre „Vasavaya Vidyalaya“ mit einer säkularen Schule. Für 16 Jahre gestaltete Frau Mythri die Schule gemeinsam mit Frau Hemalata Lavanam, Herrn Niyanta und Frau Sumathi. Kinder und Jugendliche aus vielen Dörfern und Kleinstädten besuchten diese Schule. Im Vordergrund standen moderne wissenschaftliche Inhalte, Sprachen und allgemeine politische und soziale Bildung. 

Hunderte von Frauen wurden im Atheist Centre unterrichtet. Sie erlernten Berufe, um wirtschaftlich selbstständig leben zu können. Frau Mythri war in den vielfältigen Aktivitäten der säkularen sozialen und Bildungsarbeit führend beteiligt. Sie erwarb ihren Master in Psychologie an der Benares Hindu University, Varanasi. In den Sozialwerken des Atheist Centre, Arthik Samata Mandal, Vasavya Mahila Mandali und Samskar, war sie bei 

integrativen sozialreformerischen Entwicklungen, Frauenförderungen und sozioökonomischen Reformen erfolgreich tätig.

Frau Mythri hat weiter journalistisch gearbeitet, vor allem bei der Herausgabe atheistischer Journals. Sie war Editor von “Nasthik Margam” (Atheistischer Weg) in Telugu. Auch an  Zeitschriften in Englisch („Atheist“) und in Hindi („Insaan“) war sie beteiligt. 

In 1986 erhielt Frau Mythri als Vertreterin des Atheist Centre in Oslo den “International Humanist Award” von der International Humanist and Ethical Union (IHEU) für die säkulare Sozialarbeit. Frau Mythri unternahm Vortragsreisen in Europa und Nordamerika. Sie vertrat, wie ihr Bruder Lavanam, den Atheismus als einen positiven Lebensweg.

Mythri war die Säule aller Aktivitäten des Atheist Centre in den letzten 70 Jahren. Nach dem Tode von Gora (1975) und von Saraswathi Gora (2006) war sie die Hauptperson des humanistischen Zentrums in Andhra Pradesh mit ihren wissenschaftlichen, politischen, sozialen und Bildungsbestrebungen. Bei ihr liefen viele Fäden zusammen, die sie mit großem Herz und auf hohem intellektuellem Niveau als Netzwerk exzellent gestaltete. Sie erhielt unter anderem für ihr säkulares humanitäres Engagement den Potti Sriramulu Telugu University Award und den Kasinadhini Nageswara Rao Award. 

Frau Mythri war eine Freundin, eine Leitfigur und eine Philosophin für viele Menschen. Sie hat unzählige Beiträge geschrieben und Vorträge gehalten, die bis heute inspirieren. Wir in Deutschland, die wir sie erleben konnten, wissen, was wir verloren haben. Wir trauern um eine Freundin, Schwester und Großmutter. 

Ihr Leben ist eine Botschaft, vor allem für Menschenrechte, Freiheit und die Gleichstellung der Frau. Ihre Ideale werden in Indien und in der humanistischen Weltbewegung weiterleben. 

Jai Insaan (Sieg der Menschen)!  

Dr. Volker Mueller


Sonntag, 05 März 2017