Exkursion in das frühe KZ Börnicke bei Nauen und das KZ Sachsenhausen

on Freitag, 06 Juli 2018.

Der 29.05.2018 war für die Schüler/innen des Schülerrates sowie für unsere besonders geschichtsinteressierten Schüler ein emotional äußerst aufwühlender Tag. Gemeinsam mit Frau Bruder, Frau Soyka, Herrn Czaplicki und Herrn Dr. Mueller, dem Vorsitzenden des Humanistischen Freidenker Bundes Havelland e.V., unternahmen die Schüler/innen nämlich eine Exkursion in das frühe KZ Börnicke bei Nauen und das KZ Sachsenhausen.

Die erste Destination stellte das frühe KZ Börnicke bei Nauen dar.

Viel ist von der ehemaligen Folter- und Todesstätte, die vom Mai bis zum Juli 1933 existierte und von der Sturmabteilung (SA) in einer einstigen Zementfabrik eingerichtet sowie als Wehrsportschule betrieben wurde, nicht mehr übrig. Intakt ist lediglich das ehemalige Wohn- und Verwaltungshaus der SA-Standarte 224. Die Baracken, in denen vor allem SPD- sowie KPD-Mitglieder als auch andersdenkende Gemeindevertreter und Stadtverordnete sowie vereinzelt Juden inhaftiert waren, existieren nicht mehr. Einzig im Boden eingelassene Markierungen verraten ihre Standorte.

Plastisch schilderte Herr Dr. Müller den Schülern, wie grausam und inhuman die zu Unrecht gefangenen Menschen, die insbesondere aus Nauen und Ketzin stammten, dort misshandelt wurden. Nachdem man sie ohne jegliches Strafverfahren entführte, haben sie die SA-Aufseher mit Hundepeitschen und dem Ochsenziemern „Willkommen geheißen“. Die Verhöre fanden zumeist nachts im Vernehmungsraum statt, wobei die Häftlinge von den SA-Männern gefoltert bzw. bewusstlos geschlagen wurden. Daneben wurden die Insassen zum Wegebau sowie Forstarbeiten und zum Ausbau der dortigen SA-Gruppenführerschule eingesetzt. Geschlafen haben die Häftlinge dichtgedrängt auf dem Stroh bedeckten Boden einer Baracke. Decken und Wäsche besaßen sie nicht. Von den insgesamt ca. 140 Häftlingen, kamen zehn Menschen im KZ Börnicke infolge der brutalen Torturen ums Leben Vernehmungsraum und weitere an den Folgen der Qualen, die sie dort erleiden mussten.

Das KZ Börnicke wurde aufgelöst, weil sich einige Anwohner über die Schreie der leidenden Gefangenen beschwerten und Angehörige nach ihren inhaftierten Familienmitgliedern fragten. Am 26. Juni 1933 ordnete der Potsdamer Regierungspräsident Ernst Fromm die Auflösung des Lagers an. 79 Inhaftierte wurden in das KZ Oranienburg deportiert.

Die zweite Destination war der Besuch des KZ Sachsenhausen.

Das KZ Sachsenhausen, das 1936 entstand und bis zum Kriegsende 1945 existierte, war neben dem bayerischen KZ Dachau, das erste nationalsozialistische deutsche Konzentrationslager. Es befand sich nördlich von Berlin im Ortsteil Sandhausen der Stadt Oranienburg[1] und nahm aufgrund seiner Nähe zur Hauptstadt eine Sonderrolle im KZ-System als Ausbildungsstätte für KZ-Kommandanten und SS-Standarten ein. Ab 1938 zentrale Verwaltung aller Konzentrationslager im NS-Machtbereich. Die Bauweise des KZ war panoptisch angelegt. D.h., dass es ein gleichschenkliges Dreieck bildete, damit die Häftlinge optimal überwacht bzw. vom Wachturm A durch ein einziges Maschinengewehr erreicht werden konnten, um sie bei Fluchtversuchen oder bei Aufständen ungehindert niederschießen zu können. Geschossen wurde ohne warnenden Anruf.

200.000 Menschen aus ca. 40 Nationen wurden schätzungsweise nach Sachsenhausen deportiert. Zunächst handelte es sich um politische Gegner des NS-Regimes, danach immer öfter um Juden, Homosexuelle, Sinti und Roma sowie sog. Asoziale, also insgesamt um jene Menschen, die von den Nationalsozialisten als rassisch und/oder sozial minderwertig betrachtet wurden. Die Zeugen Jehovas wurden wegen ihrer Ablehnung des Militärdienstes vermehrt inhaftiert. Ab 1939 wurden auch die Bürger der besetzten europäischen Staaten u.a. in das KZ Sachsenhausen verschleppt. Zwischen 1941 und 1945 wurden u. a. mindestens 12.000 sowjetische Kriegsgefangene im Rahmen systematischer Vernichtungsaktionen mittels einer Massenerschießungsanlage umgebracht. Im KZ Sachsenhausen sollen insgesamt mehrere zehntausend Gefangene ermordet worden sein. Weitere Zehntausende kamen durch Hunger, Krankheiten, Zwangsarbeit, medizinische Experimente und Misshandlungen ums Leben.

Abschließend ist festzuhalten, dass eine genaue Dokumentation der Auswüchse an Inhumanität in der NS-Diktatur von unschätzbarem Wert ist, um im Alltag eine lebendige Erinnerungskultur an die Opfer des Holocausts und des Nationalsozialismus‘ insgesamt aufrechtzuerhalten. In einer Demokratie ist es unser aller Aufgabe zu tradieren, dass nicht vor allzu langer Zeit Kinder, Frauen und Männer - Menschen mit ihrer individuellen Lebensgeschichte, mit Gefühlen, Träumen und Wünschen - auf menschenverachtende sowie hinterhältige Art und Weise aus der Mitte der Gesellschaft gerissen wurden, um einen grausamen sowie sinnlosen Tod zu sterben. 

Text und Fotos von Rafal Czaplicki.

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