Der Jugendaustausch begann im Februar 1996. Die Vorsitzenden der beiden Partnerorganisationen trafen sich schon 1994 bei einem humanistischen Kongress in Deutschland. Lavanam, Sohn des bereits verstorbenen Gora, Begründer des Atheistischen Zentrums in Vijayawada, lud Dr. Volker Mueller ein, mit einer deutschen Jugendgruppe nach Indien zu kommen, um die Kultur, die Menschen, die politische Situation und die soziale Arbeit des Zentrums kennen zu lernen.

Vom 02.02. – 11.02.1996 machten sich 10 Jugendliche unter der Leitung von Dr. Volker Mueller und Katrin Jura auf den Weg nach Südindien, in den Bundesstaat Andhra Pradesh. Der Studienaufenthalt hinterließ viele neue, ungewohnte und überraschende Eindrücke bei allen Beteiligten. Sie besichtigten zahlreiche Projekte des Zentrums, z. B. Krankenhäuser, Kindergärten, eine Teppichwebschule sowie Schulen, in denen Erfahrungsaustausche zwischen den deutschen und indischen Jugendlichen stattfanden. Weiterhin arbeiteten deutsche Jugendliche im Rahmen des Projektes „Bildung und Kultur“ in den Einrichtungen des Atheist Centre, um junge Menschen durch naturwissenschaftliche Experimente in Sachen Aberglauben aufzuklären. 
Die Jugendgruppe aus dem Havelland war von den buddhistischen und hinduistischen Tempelanlagen, den islamischen Moscheen, dem Fluss Krishna, dem Golf von Bengalen, der tropischen Landschaft und von der freundlichen und entgegenkommenden indischen Bevölkerung sehr beeindruckt.

Die neu gewonnenen Freunde sollten nun auch unserer Gastfreundschaft, kulturelle Denkmäler, die soziale und politische Situation und das Leben in Deutschland kennen lernen.
Die Rückbegegnung einer indischen Jugendgruppe fand vom 10.10. – 20.10.1996 im Landkreis Havelland statt. Die indischen Jugendlichen waren in Gastfamilien untergebracht. Auch aus diesem Jugendaustausch entstanden echte Freundschaften, die heute noch gepflegt werden.

Das Ziel war und ist es weiterhin, die Freundschaften zu festigen, die Kultur und die soziale und politische Situation kennen zu lernen sowie das tolerante und humanistische Miteinander zu fördern. Die Teilnehmer beider Länder treten im anderen Land als „Botschafter“ ihres eigenen Landes auf und kehren als Multiplikatoren für ihre jeweiligen Landsleute zurück.

Die Jugendaustauschreise nach Indien im Oktober 2005 war mit der Katastrophenhilfe nach dem Tsunami verbunden. Die deutsche Jugendgruppe hat sich während ihres Aufenthaltes aktiv an sozialen Projekten beteiligt, die zum Wiederaufbau und zur Rekonstruktion der betroffenen Küstenregion im Krishna – Distrikt (Andhra Pradesh) durchgeführt wurden. 
Erste Vorbereitungen dazu konnten bereits im Januar 2005 beginnen, als einige Mitglieder des Humanistischen Freidenkerbundes Havelland e. V. die Partnerorganisation in Vijayawada besuchten.
Die Mitglieder des Vereines sammelten sofort Spenden für die durch den Tsunami in Südindien Geschädigten, die der Vereinsvorsitzende Dr. Volker Mueller vor Ort übergeben konnte. Wir halfen damit direkt in einem Fischerdorf des Krishna District bei der Wiederbeschaffung von zerstörten Fischernetzen und Booten. 

Unser Austauschprogramm zwischen dem Humanistischen Freidenkerbund Havelland e. V. und dem Atheistischen Zentrum ist zu einem Schwerpunkt unserer Jugendarbeit geworden. Wir möchten es kontinuierlich weiterführen, um noch mehr jungen Menschen das Kennenlernen von fremden Kulturen zu ermöglichen und Toleranz selbst zu leben.Im Jahre 2008 führten wir Projekte mit verschiedenen Schultypen aus Nauen und der Deutsch- Indischen Jugendgruppe durch, wodurch etwa 400 Schüler zusätzlich in das Austauschprogramm involviert wurden. 2009 wurden Projekttage mit benachteiligten Kindern und Jugendlichen aus der ländlichen Region um Vijayawada durchgeführt und im Sommer 2010 fand ein Workshop zum Thema „Menschenrechte“, in Deutschland/ Brieselang statt. Im Workshop wurde Lehrmaterial zur Aufklärung der weltweit gültigen Menschenrechte erstellt, das in der Jugendhilfe und in Schulen eingesetzt werden kann.

 

 

Besondere Erfahrungen der bisherigen Zusammenarbeit

Deutsche und indische Jugendliche lernten das jeweils andere Land kennen. In Indien, vor allem im Unionsstaat Andhra Pradesh standen für uns im Mittelpunkt: 


*Kultur und Religionen - Besichtigung von kulturellen Stätten, Tempelanlagen und Kirchen, Kennenlernen von traditionellen Tänzen und Liedern sowie der verschiedenen Religionen durch Gespräche, typische Kleidung der Menschen, Besuch von Veranstaltungen, in denen naturwissenschaftliche Aufklärung gegen Aberglauben das Hauptziel sind,

* Lebensweise und Lebensstil – Gespräche mit den Jugendlichen und Erwachsenen vor Ort, Gestaltung von Workshops sowie normales familiäres Zusammenleben während des Austausches, 

* Bildungssystem und Lerneinstellung – Besuch von Schulen und Diskussionsrunden vor Ort, gegenseitige Vorstellung des Bildungssystems beider Länder,

* Verhältnis von Mann und Frau und daraus resultierende Probleme der Partnerschaft, 

* Kastensystem – von der indischen Regierung verboten, ist aber aus den Köpfen der Menschen noch lange nicht verbannt. Besuch von Projekten des Partners zur Bekämpfung des Kastensystems 

* Ernährung – die indische Küche, vegetarisches und scharf gewürztes Essen,

* Gesundheitssytem – 
Besuch von Hospitälern unserer Partnerorganisation und damit verbundenen Projekten, die z. B. zur Aufklärung, Bekämpfung und Behandlung von Krankheiten beitragen (Polio, Aids, gesunde und vollwertige Ernährung, sichere Geburten) 


* Armut und Reichtum – 
als krasse Gegensätze

Fakten, die sonst nur aus Schule, Fernsehen, Computer oder vom Hörensagen gekannt werden, sind nun Realität und es bedarf immer wieder Gespräche vor, während und nach dem Austausch, um die Vielzahl von sozialen Eindrücken zu verarbeiten

Die teilnehmenden Jugendlichen beschreiben ihre Eindrücke meist mit „unvergesslichen Erlebnissen“, welche ihr Leben und ihre Lebensanschauung sehr stark beeinflussen. Ihre Weltsicht, ihr kultureller Horizont und ihre soziale Einstellung ändern sich. Erfahrungen, die immer wieder geäußert werden, sind:

* Die beeindruckende Freundlichkeit und Offenheit der Menschen in Indien, nicht nur bei unserem Partner, sondern im täglichen Leben, auf den Straße, in den Kulturstätten, in den Schulen, Dörfern und Einkaufsläden ..... Von Fremdenfeindlichkeit keine Spur.
* Diese Offenheit hat Vorbildwirkung für ein tolerantes Miteinander in der Welt.